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Was kommt nach Goethe und Schiller? (2024/25)

Jessica Finger, Master-Studierende an der Universität Marburg, hat die Ausstellung „Von Listen und Lücken. Lektüren und Empfehlungen“ (kuratiert von Esther Köhring und Martina Wernli) nach Marburg gebracht. Die Adaption unter dem Titel „Was kommt nach Goethe und Schiller? ‚Vergessene‘ Texte und wie wir den Literaturkanon feministisch weiterdenken können“ war in der Universitätsbibliothek Marburg vom 1.11.2024 bis zum 28.2.2025 zu sehen.

Über die Ausstellung

An Universitäten und Schulen wird Kanon gemacht – es wird geforscht und vermittelt, Texte werden für Lehrveranstaltungen aufbereitet, Leselisten zusammengestellt, aus unterschiedlichsten Texten wird eine Auswahl getroffen. Hier entscheidet sich, ob Kulturgut archiviert und weitergetragen oder vergessen und ausgeblendet wird.

Was wir an Schule und Uni lesen, ist Teil unserer kulturellen Sozialisation und hat einen Einfluss darauf, welche Bilder wir internalisieren, welche Werte uns vermittelt werden, ebenso wie auf die Strukturen, in denen wir denken, die Themen die uns wichtig erscheinen und die Perspektiven, die wir einnehmen (können).

Das kulturelle Bewusstsein und gesellschaftliche Werte werden durch Literatur mitgeformt. Wie treffen wir also als Gesellschaft diese Auswahl, die sich im Kanon manifestiert? Welche Wertmaßstäbe setzen wir dafür an? Was landet auf Lehrplänen? Welche Narrative und Geschichten erzählen wir uns damit als Gesellschaft über uns selbst? Welche Weltsicht transportieren wir darüber? Welche Weltentwürfe?
Und vor allem: Welche Aspekte und Perspektiven lassen wir dabei aus?

Die Ausstellung zum Literatur-Kanon stellte Kanonisierung als einen fortlaufenden Prozess des Weitertragens, , Vergessens‘ und ,Wiederentdeckens‘ dar und fragte, welche Autor*innen und Texte dabei in Vergessenheit geraten und warum. Vom 1.11.2024 bis zum 28.2.2025 waren in den Vitrinenkuben der Universitätsbibliothek unterschiedliche Objekte zu sehen, die Marginalisierungsprozesse bei der Kanon-Bildung und im Literaturbetrieb sichtbar machten. Die Ausstellung wollte Vorschläge machen für eine feministische Erweiterung von Kanon (sowohl an Universitäten und Schulen, als auch bei Verlagen und in anderen Institutionen).

Stationen

1. OG Ost: Lesesozialisation, Schule, Ausbildung und (post-)koloniale Literaturdidaktik
2. OG Ost: Von blinden Flecken und dem Arbeiten an neuen Utopien
2. OG West: Zugang zum Literaturbetrieb, Schubladendenken und feministische Literaturwissenschaft
3. OG Ost: Einige ,vergessene’ Texte und Autor*innen und eine Kanonisierungsgeschichte im Wandel


Rahmenprogramm

Podiumsdiskussion „Was lesen an Universität und Schule? Zu den Lücken auf Leselisten und wie wir Marginalisierung entgegenwirken können“ am 19.11., 19 Uhr im Vortragsraum B008 (Universitätsbibliothek, Deutschhausstr. 9, 35037 Marburg)

Es diskutieren Marion Schmaus, Sara Bachiri, Sandra Folie, Esther Köhring und das BIPoC feministische Literaturkollektiv Marburg über die Frage, wie Kanon und Literaturbetrieb diverser gestaltet werden können.
Welche Wirkungsmechanismen führen zur Marginalisierung von Texten und Autor*innen? Wie können wir Diskriminierungsstrukturen entgegenzuwirken? Was hat sich schon verändert?
Wie könnte ein solidarischer Literaturbetrieb aussehen?
Und welche Handlungsperspektiven gibt es auf dem Weg dort hin für Lehrende, Studierende, Lesende?

Workshop „Wie an Universitäten und Bibliotheken Kanon gemacht wird“ am 20.11., 9–13 Uhr im Schulungsraum B013 (Universitätsbibliothek, Deutschhausstr. 9, 35037 Marburg)

So many books, so little time… niemand kann alles lesen, aber wer oder was entscheidet eigentlich, welche literarischen Texte wir lesen, auch und gerade im Literaturstudium, und welche Texte „man kennen sollte”? Was bringen Studierende mit in die Uni, was erleben/erlesen sie dort, was tragen sie weiter in den Kulturbetrieb und die Schulen?

Der Workshop lädt Studierende der Literaturwissenschaften und verwandter Fächer aus Marburg und Frankfurt ein, die eigene Lektürepraxis und den Umgang mit Leselisten und Kanones zu reflektieren. Im ersten Teil des Workshops geht es daher darum, das eigene Leseverhalten und die akademischen Strukturen als Praktiken zu verstehen, mit denen Kanon gemacht wird – und zu denen sich Studierende, Lehrende, Lesende kritisch verhalten können. Im zweiten Teil sollen Strukturen und Institutionen der Kanonisierung am Beispiel von Universitätsbibliotheken untersucht werden. Immer sollen dabei konkrete Handlungsmöglichkeiten und Interventionsformen diskutiert und erprobt werden.

Weiterführende Informationen

Im Gespräch mit Felix Spangenberg spricht Jessica Finger über ihre Motivation und wie sie den Kanon feministisch weiterdenken möchte.