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Vorschau: Neue Texte für klassische Deutschthemen

Fertige Lernarrangements mit Lehrplananbindung für einen kanonreflexiven Literaturunterricht (erscheint im Herbst 2026)

Hg. von #breiterkanon

Katja Cappucci-Lüders, Bastian Dewenter, Felix Lempp, Christina Templin, Jule Thiemann, Annette Kliewer, Martina Wernli

Der Band versammelt Unterrichtsvorschläge mit kommentierten Textauszügen, Aufgaben und Lösungsvorschlägen. Die auf diese Weise erschlossenen deutschsprachigen Texte decken die Literatur des Mittelalters bis hin zur Literatur der jüngsten Gegenwart ab. Der Schwerpunkt der chronologisch angeordneten Auswahl liegt auf Prosatexten des 20. und 21. Jahrhunderts, berücksichtigt sind aber auch dramatische und lyrische Werke. Dieser zeitlich und gattungsspezifisch ungleiche Längsschnitt durch die Literatur erklärt sich vorrangig aus der Tatsache, dass literarische Zeugnisse jüngeren Datums in den Oberstufencurricula der Länder in der Regel zu kurz kommen, dies gilt insbesondere für die Gegenwartsliteratur.

Das wesentliche Kriterium der Textauswahl bildete die literarische Verhandlung von Themen und Problemlagen aus einer bisher marginalisierten Perspektive. Die vergessenen Texte setzen eigene Akzente in der Modellierung fiktionaler Wirklichkeiten und entziehen sich teilweise gängigen epochalen Ordnungsmustern. Dadurch regen sie zur Reflexion von Textmerkmalen an, die oft genug als nicht zu hinterfragende inhaltliche und formale Selbstverständlichkeiten gelten. Das macht sie für einen Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe interessant, der sein theoretisches Versprechen, „Einblicke in Grundmuster menschlicher Erfahrung“ und „Zugänge zu verschiedenen Weltsichten“[1] zu eröffnen, erst allmählich einzulösen vermag. Denn seine männlichen, weißen und eurozentristischen Prägungen sitzen tief.

Um Anschlüsse an curriculare Vorgaben zu erleichtern, schlagen die Unterrichtsvorschläge Bezüge zu gesetzten Themen bzw. Werken der Lehrpläne in zweifacher Weise vor. Zum einen werden Klassiker und marginalisierte Texte in thematisch verwandten Textpaaren enggeführt, zum anderen zeigen weiterführende Hinweise am Ende der jeweiligen Beiträge Verknüpfungsmöglichkeiten mit weiteren literarischen Werken auf.

Inhaltsverzeichnis

MITTELALTER BIS FRÜHE NEUZEIT

[Anonym]: Aristoteles und Phyllis (ca. 1200). Märe. Gottfried von Straßburg: Tristan (um 1210). Versroman. (Theresa Specht)

Hortensia von Salis (1659–1715): Geist- und Lehr-reiche Conversations Gespräche (1696). Erzählung. (Nathalie Emmenegger)

18. JAHRHUNDERT

Johanna Eleonora Petersen (1644–1724): Leben (1718). Autobiografie und Sophie von La Roche (1730–1807): Das Fräulein von Sternheim (1771). Briefroman (Vera Faßhauer)

Elisa von der Recke (1754–1833): Nachricht von des berüchtigten Cagliostro Aufenthalt in Mitau im Jahre 1779 und dessen magische Operationen (1787). Streitschrift. (Vera Viehöver)

Therese Huber (1764–1829): Familie Seldorf (1795/96). Roman. (Kathrin Schoedel)

19. JAHRHUNDERT

Caroline Auguste Fischer (1764–1842): William der N. (1817). Erzählung. (Florian Kappeler)

Charlotte Birch-Pfeiffer (1800–1868): Elisabeth von England (1841). Drama und Friedrich Schiller (1759–1805): Maria Stuart (1800). Historiendrama. (Felix Lempp)

Louise Otto-Peters (1819–1895): Schloss und Fabrik (1846). Roman. (Katja Capucci-Lüders)

Louise Aston (1814–1871): Die wilde Rose (1850) und Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832): Heidenröslein (1789). Lyrik (Christina Templin)

Frieda von Bülow (1858–1909): Tropenkoller (1895). Roman. (Annette Kiewers)

Helene Böhlau (1856–1940): Halbtier! (1899). Roman. (Marcella Fassio)

20. JAHRHUNDERT

Franziska zu Reventlow (1871–1918): Ellen Olestjerne (1903). Roman. (Mareike Brandtner)

Mela Hartwig (1893–1967): Der Phantastische Paragraph (1928). Novelle. (Marcella Fassio)

Anna Gmeyner (1902–1991): Automatenbüfett (1932). Drama/Spiel. (Johanna Baumgardt)

Inge von Wangenheim (1912–1993): Mein Haus Vaterland (1950). Autobiografie. (Bastian Dewenter)

Auguste Lazar (1887–1970): Die Brücke von Weißensand (1965). Jugendroman. (Jana Mikota)      

Marie Luise Kaschnitz (1901–1974): Kein Zauberspruch. Gedichte (1972). Lyrik. (Sofie Aeschlimann)

Dualla Misipo (1901–1973): Der Junge aus Duala (1973). Roman. (Sandra Folie)

Christa Reinig (1926–2008): Müßiggang ist aller Liebe Anfang (1979). Lyrik. (Anna Bers)

Dagmar Nick (*1926): Katastrophe in Chiffren (1991). Lyrik. (Felix Kraft)

Semra Ertan (1956–1982) und May Ayim (1960–1996): [Wohin gehöre ich] (1981) und entfernte verbindungen (1992). Lyrik. (Sandra Folie, Alexander Pappe)

Ika Hügel-Marshall (1947–2022): Daheim unterwegs. Ein deutsches Leben (1998). Autobiografie. (Gianna Zocco)

21. JAHRHUNDERT

Tomer Gardi (*1974): broken german (2016) Roman. (Sandra Vlasta)

Selim Özdogan (*1971): Wieso Heimat, ich wohne zur Miete (2016) Roman. (Yasemin Dayıoğlu-Yücel)

Deniz Ohde (*1988): Streulicht (2020). Roman. (Jule Thiemann)

Fatma Aydemir (*1986): Dschinns (2022). Roman. (Dîlan Canan Çakir)

Dinçer Güçyeter (*1979) Unser Deutschlandmärchen (2022) und Heinrich Heine (1797–1856): Deutschland. Ein Wintermärchen (1844) (Martina Wernli)

Chantal-Fleur Sandjon (*1984): Die Sonne, so strahlend und Schwarz (2022). Versroman. (Sarah Thiery)

Fatma Aydemir (*1986): Doktormutter Faust (2024). Theaterstück und Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832): Faust. Eine Tragödie (1808). Tragödie/Drama. (Christina Templin)


[1] Niedersächsisches Kultusministerium, Kerncurriculum für das Gymnasium – gymnasiale Oberstufe, die Gesamtschule – gymnasiale Oberstufe, das Berufliche Gymnasium, das Abendgymnasium, das Kolleg. Deutsch. Hannover 2016, S. 5 ( https://cuvo.nibis.de/cuvo.php?p=search&k0_0=Schulbereich&v0_0=Sek+II&k0_1=Fach&v0_1=Deutsch&, Zugriff am: 07.03.2026).

Der Link zum Buch: https://www.cornelsen.de/produkte/neue-texte-fuer-klassische-deutschthemen-klasse-10-12-fertige-lernarrangements-mit-lehrplananbindung-fuer-einen-kanon-reflexiven-literaturunterricht-buch-mit-materalien-ueber-webcode-1100043209

Frauen in der Theoriegeschichte – eine Online-Enzyklopädie im Aufbau

von Marília Jöhnk

Mit Blick auf die Literaturgeschichte hat es in den letzten Jahren zahlreiche Revisionen und Neuperspektivierungen gegeben, wovon ja schließlich auch das Projekt #breiterkanon zeugt. Vergleichbare Diskussionen sind bisher für das Feld der Theorie ausgeblieben, das in der universitären Lehre einen großen Stellenwert einnimmt und noch immer von einem männlichen Kanon dominiert wird. Nicht nur der Alltag an den Universitäten zeugt von dieser Schieflage, ein Blick in Überblickswerke in die Ästhetik, Poetik, Literatur- und Kulturtheorie bestätigt den Eindruck: Studierende beschäftigen sich bisher nach wie vor hauptsächlich mit dem Werk männlicher Theoretiker. Margarte Susman oder Käte Hamburger dominieren den Theoriekanon der Literaturwissenschaft ebenso wenig wie Hortense Spiller oder Sara Ahmed die Kulturtheorie. Außerhalb der Hispanistik kennen wenige Gloria Anzaldúa, geschweige denn Josefina Ludmer, Nelly Richard oder Beatriz Sarlo. Die Liste ließe sich um zahlreiche Namen erweitern, denen in der universitären Lehre mehr Präsenz eingeräumt werden sollte – von Barbara Cassin, Laura Mulvey, Eve Kosofsky Sedgwick, bell hooks bis zu Susan Sontag oder Svetlana Boym.

Um die Sichtbarkeit von Theoretiker*innen zu erhöhen, wurde die Online-Enzyklopädie zu Frauen in der Theoriegeschichte ins Leben gerufen, die kontinuierlich wachsen soll. Diese Online-Enzyklopädie ist frei zugänglich und soll Studierende und Lehrende ohne Hürden erreichen. Die bisherigen Beiträge wurden von fortgeschrittenen Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt geschrieben, die im Rahmen des Seminars „Neue Narrative der Kulturtheorie“ nach alternativen Wegen des Lesens und Vermittelns von Theorie gesucht haben. Die Beiträge sollen dazu anregen, die Theorie von Frauen zu rezipieren und sich vertiefend mit ihren Texten zu beschäftigen. Wie der Titel schon besagt: Es geht darum, Spuren zu legen. Thematisch ist die Online-Enzyklopädie offen und umfasst Literatur- und Kulturtheorie im weitesten Sinne. Wichtig ist, dass nicht nur das zugängliche Format einen Beitrag zur breiteren Rezeption der Theorie von Frauen leisten soll, sondern auch essayistische und explorative Schreibweisen und kreative Formen, wie sich etwa anhand einer Graphic Novel zu Mieke Baals Kulturanalyse zeigt.

Interessierte können jederzeit Kontakt aufnehmen. Neben den Artikeln umfasst die Website u. a. weitere Informationen zum Projekt und zur Sichtbarkeit der Theorie von Frauen:

Ein ausführlicher Bericht zum Launch der Online-Enzyklopädie kann hier nachgelesen werden:

https://cgc.uni-frankfurt.de/aktuelles/2025-07-09/weibliche-theorie-sichtbar-machen