Digital resources in the Social Sciences and Humanities OpenEdition Our platforms OpenEdition Books OpenEdition Journals Hypotheses Calenda Libraries OpenEdition Freemium Follow us

Aktionstage “Kanon Reloaded” in der Stabi Berlin

von Esther Köhring

Das Netzwerk #breiterkanon sucht die Zusammenarbeit mit den Institutionen, die an Kanonisierungsprozessen beteiligt sind, wie Verlage, Schulen, Literaturarchive und Bibliotheken.

Nach einer Posterpräsentation der Projekte von Netzwerkmitgliedern („Vergessene Literatur sichtbar machen“) 2024 in der Stabi Potsdamer Straße und der Lesesaalintervention in der Stabi Unter den Linden (laufend seit April 2025) wurde die Zusammenarbeit im Herbst 2025 mit den Aktionstagen „Kanon Reloaded“ fortgeführt, einer Kooperation zwischen #breiterkanon (Martina Wernli, Esther Köhring), der Humboldt-Universität zu Berlin und der Staatsbibliothek Berlin (Stefanie Arend).

Logo der Aktionstage (Gestaltung: Sandra Caspers, Stabi) Louise Franziska Aston. bpk-Fotoarchiv / Fotograf unbekannt (Abbildung bearbeitet).

An drei Aktionstagen konnte so die Stabi zum Ort werden, in dem Kanonprozesse und die eigene Rolle darin reflektiert und Handlungsspielräume diskutiert wurden. Eine Podiumsdiskussion zu KI, einer Lesung und Performance zu Akten literarischer Aneignung des Kanons und ein Pub Quiz waren die dafür gewählten Formate.

Zu den Inhalten der drei Abendveranstaltungen:

Was die KI (nicht) liest – der literarische Kanon zwischen Algorithmus und Vielfalt
Können digitale Methoden den literarischen Kanon vielfältiger machen? Im Fokus stand die Frage, wie innovative Tools und Ansätze Künstliche Intelligenz befähigen, Literatur neu und diverser zu „lesen“ – oder ob der Bias der KI Marginalisierungen verstärkt und Kanonisierung normalisiert. Und welche Rollen spielen dabei die Archive und Bibliotheken`? Julian Schröter (LMU München), Viktor Illmer (FU Berlin) und Jana-Katharina Mende (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) stellten dazu ihre Forschung und Lehrprojekte vor, Dîlan Canan Çakir (FU Berlin) moderierte.

#MeinKanon – Akte literarischer Aneignung
Wie gehen heutige Autor:innen mit dem Kanon um? Was kennen sie aus der Schule und eigener Lektüre, welche Rolle spielt er bei der Entwicklung ihrer eigenen Stimme (und deren “Vermarktung”), wie gehen sie mit Fragen der Repräsentation um, der Einschreibung, der Überschreibung und der aktivistischen Aneignung? Ein für die Veranstaltung geschriebener Text, einem Videoscreening und einem Soundpiece waren die Statements von Darja Keller, Hannah Schraven und Giuliana Kiersz. Moderiert von Esther Köhring (HU Berlin) sprachen die Künstlerinnen über das Verhältnis von Kanon und queerer Identität, Schubladen des Literaturbetriebs und postkolonialer Kritik.

»Invisible Ink« – das literarische Quiz abseits des Mainstreams
Wer war Felix Mendelssohn-Bartholdys Lieblingstante? Welche Theaterautorin war im 19. Jahrhundert in Hamburg bekannter als Goethe und Shakespeare? Beim Quizabend „Invisible Ink“ im Rahmen von „Kanon reloaded“ hatte die besseren Karten, wer Abseits des Mainstreams liest. Fragen, Hörbeispiele und Bilderrätsel boten im Café der Stabi die Möglichkeit, die eigene (Un-)Kenntnis zu erkunden und in den Rateteams die eigenen Lücken durch Lektüretipps und unterschiedliche Perspektiven zu schließen.